Ratgeber
Auto im Wasser stehen geblieben: Nicht wieder starten
Nach einer Fahrt durch Wasser stottert der Motor oder geht aus. Der wichtigste Satz vorweg: Starten Sie ihn nicht noch einmal.
Was ein Wasserschlag ist
Saugt der Motor statt Luft Wasser an, spricht man von Wasserschlag. Wasser lässt sich nicht zusammendrücken, deshalb steht der Motor abrupt still. Dabei können Pleuelstangen verbiegen, Ventile brechen und im schlimmsten Fall der Motorblock reißen. Typische Anzeichen sind ein Motor, der nach der Wasserdurchfahrt nicht mehr startet oder mitten in der Fahrt aussetzt.
Sofort tun
- Motor abstellen, wenn er noch läuft, und nicht erneut starten. Ein Startversuch kann den Schaden erheblich vergrößern.
- Warnblinker einschalten und aussteigen, wenn die Stelle sicher ist. Bei steigendem Wasser das Fahrzeug verlassen, bevor die Türen sich nicht mehr öffnen lassen.
- Nicht durch fließendes Wasser waten. Auch flaches Wasser kann Sie mitreißen.
- Hilfe rufen: Bei Gefahr für Personen die 112, sonst einen Abschleppdienst.
- Fotos machen: Wasserstand, Fahrzeug, Umgebung. Sie brauchen sie für die Versicherung.
Warum das Auto nicht selbst fahren sollte
Ein Fahrzeug, das Wasser angesaugt hat, kann äußerlich unversehrt wirken. Der Schaden sitzt im Motor. Schleppen Sie es nicht mit angetriebenen Rädern, denn das dreht den Motor durch. Ein Transport auf der Ladefläche ist die sichere Lösung, besonders bei Elektro- und Hybridfahrzeugen. Bei ihnen kann Wasser außerdem Hochvoltteile und Stecker betreffen, siehe E-Auto abschleppen.
Versicherung informieren
Melden Sie den Schaden Ihrer Versicherung, bevor das Fahrzeug repariert wird. Ob und in welcher Höhe gezahlt wird, hängt von Vertrag und Umständen ab, zum Beispiel davon, ob es eine Überschwemmung war oder eine bewusste Fahrt durch überflutete Straßen. Die Werkstatt sollte den Schaden dokumentieren und die Ursache feststellen.
Was Sie beim Abschleppdienst angeben sollten
- Wo das Fahrzeug steht und wie hoch das Wasser ist
- Ob das Wasser noch steigt oder die Straße gesperrt ist
- Fahrzeug und Antrieb
- Ob der Motor nach dem Wasserkontakt gestartet wurde oder nicht
- Ob sich Türen und Türschlösser noch bedienen lassen
Wenn Ihr Auto in einer Tiefgarage oder Unterführung im Wasser steht, hilft der Ratgeber Tiefgarage und Parkhaus.
Vorbeugen
Überflutete Straßen sollten Sie nicht durchfahren. Ist das unvermeidbar, fahren Sie langsam und gleichmäßig, damit keine Bugwelle entsteht, und halten Sie die Drehzahl konstant.
Wattiefe und Ansaugöffnung
Jedes Fahrzeug hat eine maximale Wattiefe, die der Hersteller im Handbuch angibt. Sie hängt vor allem davon ab, wo der Motor Luft ansaugt. Sitzt die Ansaugöffnung niedrig, kann schon eine Pfütze genügen, dass Wasser in den Motor gelangt. Wasser lässt sich nicht verdichten, deshalb kann der Motor beim Ansaugen von Wasser massiv beschädigt werden, im schlimmsten Fall reißen Pleuel. Wenn der Motor beim Durchfahren von Wasser abstirbt, ist das häufig der Moment, in dem der Schaden entsteht oder droht.
Was Wasser an Elektrik und Elektronik anrichtet
Moderne Fahrzeuge haben Steuergeräte, Kabelbäume und Sensoren, die an vielen Stellen im Auto sitzen, teilweise in Fußräumen oder unter Sitzen. Wasser kann Steckverbindungen korrodieren lassen und Steuergeräte beschädigen, auch wenn der Motor nichts abbekommen hat. Bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen ist zusätzlich die Hochvoltanlage betroffen, hier gelten besondere Vorsichtsregeln, siehe E-Auto abschleppen. Ein Fahrzeug, das im Wasser stand, sollte nicht wieder in Betrieb genommen werden, bevor eine Werkstatt es geprüft hat.
Der Motorölbehälter verrät es
Ein Hinweis auf eingedrungenes Wasser im Motor ist milchig-graues Öl am Peilstab oder im Öleinfüllstutzen. Auch stark schwankender Motorlauf oder Wasser im Luftfilterkasten sind Zeichen. Solche Befunde sollten Sie der Werkstatt mitteilen, weil sie den Umfang der Reparatur bestimmen.
Nicht anrollen, nicht schieben
Das Fahrzeug sollte nicht angeschoben oder angerollt werden, um den Motor zu starten. Die Trägheit kann den Motor ebenfalls beschädigen, wenn Wasser in den Zylindern steht. Automatikgetriebe dürfen nicht ohne weiteres gezogen werden, siehe Automatik abschleppen. Der sichere Weg ist der Transport auf der Ladefläche.
Nach dem Wasser: was Sie dokumentieren sollten
- Fotos vom Fahrzeug und der Umgebung mit Wasserstand, soweit gefahrlos möglich.
- Uhrzeit, Ort und Wetterlage.
- Angabe, ob der Motor lief, als Wasser eindrang, und wann er ausging.
- Rechnungen für Transport und Prüfung, denn sie können für die Versicherung wichtig sein.
Häufige Fragen
Kann ich es noch einmal kurz probieren?
Was heißt Wasserschlag?
Wie tief darf ich durch Wasser fahren?
Darf ich den Motor nach dem Absterben nochmal starten?
Was ist mit Elektroautos im Wasser?
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