Ratgeber

Bremsen versagen: Was Sie sofort tun können

Das Bremspedal gibt nach oder tritt ins Leere. Ruhe bewahren: Es gibt mehrere Möglichkeiten, ein Auto zum Stehen zu bringen.

Das ist eine kurze Übersicht und kein Ersatz für ein Fahrsicherheitstraining. Bei Lebensgefahr wählen Sie die 112.

Die Schritte im Notfall

  1. Fuß vom Gas, Warnblinker einschalten.
  2. Bremspedal mehrmals schnell hintereinander treten. Ist Luft im System, kann sich dadurch kurzzeitig wieder Druck aufbauen.
  3. Motorbremse nutzen: Schalten Sie schrittweise in niedrigere Gänge, damit der Motor das Fahrzeug verzögert. Bei Automatik in niedrigere Fahrstufen wechseln, soweit vorhanden.
  4. Handbremse dosiert anziehen. Langsam und kontrolliert, damit die Hinterräder nicht blockieren und das Fahrzeug nicht ausbricht.
  5. Einen Ausweg suchen, etwa eine Auslaufzone, einen leeren Parkplatz oder eine Wiese, wenn es nicht anders geht. Nach Möglichkeit keinen Menschen gefährden.
  6. Bei Überforderung Polizei rufen. Sie unterstützt Sie am Telefon.

Warum Bremsen versagen können

  • Bremsflüssigkeit fehlt, meist durch eine undichte Bremsleitung. Das Pedal tritt durch.
  • Überhitzung an langen Gefällestrecken: Wer dauernd auf dem Pedal steht, bringt die Bremsflüssigkeit zum Kochen. Es bilden sich Gasblasen, die sich nicht zusammendrücken lassen, und das Pedal geht ins Leere.
  • Bremskraftverstärker ohne Unterdruck, etwa wenn der Motor aus ist. Das Pedal wird hart, und es braucht mehr Kraft, siehe Motor geht während der Fahrt aus.

Nach dem Anhalten

Fahren Sie nicht weiter. Die rote Bremsleuchte, ein weiches Pedal oder Bremsflüssigkeit unter dem Auto sind Gründe, das Fahrzeug transportieren zu lassen, siehe Warnleuchten im Auto und Ölverlust und Ölspur. Ein Auto mit defekter Bremse sollte nicht am Seil gezogen werden, denn beim Ziehen bremst im Wesentlichen nur das Zugfahrzeug. Es wird auf einem Plateauwagen zur Werkstatt gebracht. Auf Bergstrecken gilt das erst recht, siehe Winterpanne und Bergstrecken.

Das sollten Sie durchgeben

  • Ob die Bremse ganz oder nur teilweise ausgefallen ist
  • Ob Bremsflüssigkeit oder ein anderer Stoff austritt
  • Wo das Fahrzeug steht, ob an einer Steigung oder einem Gefälle
  • Marke, Modell, Antrieb

Was hinter einem nachgebenden Pedal steckt

Ein Bremspedal, das weich wirkt, durchtritt oder langsam zum Boden sinkt, weist meist auf ein Problem im hydraulischen System hin: zu wenig Bremsflüssigkeit, eine Leckage oder Luft im System. Bremsflüssigkeit nimmt mit der Zeit Wasser auf, das bei starker Hitze Dampfblasen bilden kann. Dann lässt die Bremswirkung nach, obwohl der Pedalweg gleich bleibt. Ein hartes Pedal ohne Wirkung, etwa bei ausgeschaltetem Motor, hat dagegen oft mit dem Bremskraftverstärker zu tun: Ohne laufenden Motor fehlt die Unterstützung, und das Pedal fühlt sich stark an.

Zwei Bremskreise als Reserve

Moderne Bremsanlagen sind in zwei getrennte Kreise aufgeteilt. Fällt einer aus, bleibt der zweite in der Regel in Funktion, mit längerem Bremsweg und mehr Pedalkraft. Das erklärt, warum ein komplettes Versagen selten ist, ein Nachlassen der Bremswirkung aber ein sehr ernstes Warnsignal. Wenn die Bremswarnleuchte im Kombiinstrument leuchtet, sollten Sie das nicht als Marginalie behandeln.

Bergab: Hitze ist der Feind

Auf langen Gefällestrecken überhitzen Bremsen, wenn sie dauerhaft gebraucht werden. Deshalb gilt: in einen niedrigeren Gang schalten, die Motorbremse nutzen und die Betriebsbremse nur dosiert einsetzen. Wer bergab im hohen Gang rollt und ständig bremst, riskiert, dass die Bremsen am Ende nicht mehr greifen. Für Berg- und Passstraßen sind die Steigungs- und Gefällehinweise auf den Schildern eine hilfreiche Warnung.

ABS, ESP und die Warnleuchten

Leuchten ABS oder ESP, ist der Bremskreis meist noch in Ordnung, aber die Regelsysteme fallen aus. Die Bremsen wirken dann wie bei älteren Fahrzeugen ohne ABS, die Räder können bei starkem Bremsen blockieren. Die rote Bremsleuchte dagegen, oft mit Ausrufezeichen, weist auf Bremsflüssigkeit, Handbremse oder einen Kreisausfall hin. Mehr zur Farblogik der Leuchten im Ratgeber zu Warnleuchten.

Was nach dem Anhalten wichtig ist

Schalten Sie den Warnblinker ein, sichern Sie das Fahrzeug und rufen Sie Hilfe. Fahren Sie nicht "ein Stück" weiter, um es bis zur Werkstatt zu schaffen. Ein Fahrzeug mit angeschlagener Bremsanlage kann beim nächsten Bremsen komplett versagen, und Abschleppen mit Seil ist ohne funktionierende Bremse gefährlich. Der Transport auf der Ladefläche ist die sichere Lösung. Zum Vorbeugen gehört, die Bremsflüssigkeit nach Herstellerintervall wechseln zu lassen und Bremsscheiben und -beläge regelmäßig prüfen zu lassen.

Häufige Fragen

Kann ich noch bis zur Werkstatt fahren, wenn die Bremse nur weich ist?
Davon raten wir ab. Die Bremse kann jederzeit stärker nachlassen. Lassen Sie das Fahrzeug transportieren.
Warum wird das Pedal auf langem Gefälle weich?
Die Bremsflüssigkeit kann heiß werden und Gasblasen bilden. Nutzen Sie bergab die Motorbremse, statt dauernd zu bremsen.
Warum ist das Pedal bei ausgeschaltetem Motor hart?
Der Bremskraftverstärker arbeitet mit Unterdruck des laufenden Motors. Ohne Motor fehlt die Unterstützung, das Pedal wirkt hart, die Bremse funktioniert aber noch mit deutlich mehr Kraft.
Ist eine leuchtende ABS-Lampe ein Grund abzuschleppen?
Nicht immer. Die Grundbremse funktioniert meist weiter, aber das Regelsystem fällt aus. Bei unsicherem Gefühl, weichem Pedal oder zusätzlicher roter Bremsleuchte lassen Sie das Fahrzeug transportieren.
Wie vermeide ich Überhitzung bergab?
Früh in einen niedrigeren Gang schalten, die Motorbremse nutzen und nur kurz und dosiert bremsen, statt die Bremse dauerhaft zu belasten.

Ihr Fall ist nicht dabei?

Schildern Sie uns die Lage kurz am Telefon oder per WhatsApp, dann sagen wir Ihnen, was sinnvoll ist.